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Kasperle erzählt Rotkäppchen für Schwedenmädchen

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Mützchen

Am letzten WE hat es, endlich, geklappt: das seit gefühlten Jahren geplante „Kusinentreffen“. Meine Kusinen mütterlicherseits, z.T. seit sehr vielen Jahren nicht mehr gesehen, kamen mit ihren kleinen Töchtern, die ich bis auf die älteste überhaupt noch nie gesehen hatte, ins Haus der Oma in die sieben Berge. Der Lieblingsneffe auch dazu und dann war die Runde komplett: alle EnkelInnen – z.T. mit den PartnerInnen – und UrenkelInnen meiner Oma auf einem Haufen, ergänzt durch drei Menschen der Großelterngeneration. Und da sollte es etwas besonderes geben:

für die 4 „großen“ Mädchen und das Babymädchen habe ich – mit der Liebsten tatkräftiger Unterstützung – Mini-„Lil“(Laura-Ingalls-Light)-Mützen (mehr dazu hier) ungefüttert genäht, bestickt von ihrer Stickmaschine mit den Anfangsbuchstaben der Kindernamen.

Buchstabenstickerei

Umrandet wurden sie mit einer alten Borte, die ich noch von der Uroma der Kinder hatte. Sie muss sie schonmal verwendet und wieder abgetrennt haben. Dabei haben die Webkanten arg gelitten – deshalb habe ich sie mit feinstem Zickzackstich aufgesteppt. Unsichtbar innen eingenäht ist ein originales Wäschebändchen von der Ur-Uroma der Kinder mit deren Namen, also noch eine Generation zurück. Davon habe ich noch eine ganzes Häuflein.

Auch als Mützenaufhänger zu gebrauchen. Und alles in Schwedenfarben, weil dieses schöne Land in der Familie als Lieblingsurlaubsziel in hohem Kurs steht (und zum Uroma-Webband passte). So hüpften also lauter kleine Schwedenmädchen bullerbümäßig durch den Garten, fädelten Perlen, plantschten im Plantschbecken, malten, futterten und spielten mit Kasperlepuppen. Und die Hütchen blieben – das hat mich natürlich gefreut – völlig freiwillig auf den Köpfen.

UnbenanntFür den Liebslingsneffen ist ein Kleinprojekt seiner Wahl mit gleichen Materialien in Arbeit, eine Lil wollte da doch nicht so passen.

Falls jemand von Euch weiß, wie dieses Verwandtschaftsverhältnis eigentlich offiziell heißt, was also Urenkel zueinander sind, dann freue ich mich über einen Hinweis. Der Einfachheit halber habe ich der kleinen Dame gesagt, ihre Kusinen kommen – und sich hat sich lange darauf gefreut, die kennenzulernen und vorher viel von ihnen gesprochen. Auch weil es in unserer Regenbogenfamilie ihre nicht-genetisch-verwandte Familienseite ist, war es mir wichtig, dass sie diese Kusinen kennenlernt und jetzt weiß, das die zu ihr und ihrer Familie gehören.

Pauline wäre die älteste dieser Kusinen und es brannte bei dem Treffen zum Gedenken ein kleines Licht. Und ihr Armbändchen – das wir zuvor für ihren Tisch  gemacht hatten – diente als Fädel-Beispiel – so war auch sie ein wenig dabei.

Das war ein richtig schönes kleines Fest und darin spielte auch das Kasperletheater eine Rolle. Und das kam so:

Auf dem Dachboden meiner Mama fristeten seit den 70ger Jahren Kasperlepuppen ihr Kistendasein, z.T. noch originalverpackt und nie benutzt, z.T. aber auch durch unsere Kindheits-Kapserlespiele in Mitleidenschaft gezogen. Die haben wir in letzter Zeit nach und nach ausgegraben und, z.B. qua Geburtagsgeschenk von Oma, in Umlauf und in die Hände der kleinen Dame gebracht.

Noch in der DDR hergestellt und mit richtig schönen, kindgerechten Holzköpfen, erfreuen sie mein Herz immernoch wie früher. So war „Schutzmann Schill“ als erster mit durchschlagendem Erfolg – und ganz leicht tumb und verwirrt „Notfall, Notfall, Polizei!“-brüllend – daran gegangen, das Herz der kleinen Dame zu erobern.

Schutzmann Schill

Zum dritten Geburtstag folgten dann Großmutter, Jäger und der äußerst beliebte Prinz Spaghetti-Haar.

Prinz Spaghettihaar

Großmutter und Jäger

Nun muss, so dachte ich kürzlich, wirklich mal der Kasperle her. Den gab es zwar – aber quasi in umgekehrt geköpfter Version: Haupt vorhanden, Leib verschollen.

So musste ein stilistisch passender Körper genäht werden und Kasperle strahlt, trotz reichlich bespielter langer Nase, wieder im neuen, angemessenen Gewand.

Endlich kann er sich auch wieder körpersprachlich ausdrücken. Und traut sich vor die Tür – Sommergenüssen nicht abgeneigt.

Und nachdem wir auch das Rotkäppchen aus seiner DDR-Tüte mit dem zauberhaften Pappaufdruck befreit hatten,

Kasperlepuppen-Verpackung aus den 70gern

noch einer weiblichen Figur die Mutterrolle gegeben und einem Räuber die frei erfundene Figur eines Tierpflegers untergejubelt hatten, konnten die Liebste, der Lieblingsneffe und ich der entzückten Kleinmädchenwelt samt älterer anwesender Generationen das von mir zuvor zum Kasperletheaterstück umgeschriebene Märchen von Rotkäppchen vorspielen – samt frei erfundenem Ende, bei dem der Wolf tagsüber für die Großmutter Holzhacken und putzen, nachts aber zum Schutz der Allgemeinheit im Wildtierpark einsperrt sein muss (wo er immerhin auch Futter bekommt). Ein Kind weinte, weil das Stück vorbei war und ein anderes kam danach hinter den Vorhang gelaufen und sagte: das war schön! Na, wenn das nicht Lobeshymnen sind.

Kasperletheaterstücke sind ja bei Kindern äußerst beliebt, aber leider in entsprechenden Büchern fast alle, soweit mir bekannt, in moralingetränktem Erziehungsauftrag unterwegs. Grimms Märchen in Kasperletheaterversionen kenne ich gar nicht – also mussten wir selber´ran. Rotkäppchen avancierte – seit der Einführung von Märchen in unserem Haushalt vor recht kurzer Zeit – in 0,nix- zum Lieblingsmärchen der kleinen Dame, das 100te Male von ihr mit ihren Figuren oder mit uns nachgespielt wird. Also lag´s nahe, dem Wolf zum Auftritt zu verhelfen.

Weil es viel Spaß gemacht hat, hier der Text zum Nachspielen: Rotkäppchen für Kasperletheaterfiguren, für 2 SpielerInnen, am Ende braucht es eine dritte SpielerIn mit kurzem Texteinsatz (gut für ein älteres Kind zu machen).

Rotkäppchen für Kasperlepuppen  die Rotkäppchen-Crew

Zum Schluss noch zwei kreative Futter-Förder-Teller – Ausstechförmchen machen`s möglich…

Futter für die kleine Dame

Guten Appetit. Mehr Krea-Dienstags-Beiträge wieder hier.